Wo Feuer und Kreativität verschmelzen: Das Holmegaard Værk in Fensmark auf Sjælland ist weit mehr als ein Museum. Es ist eine lebendige Werkstatt, in der Glasbläser vor Ihren Augen Kunstwerke schaffen – in der Tradition eines der ältesten Glaswerke Dänemarks.
200 Jahre Glaskunst
Die Geschichte von Holmegaard begann 1825, als Gräfin Henriette Danneskiold-Samsøe eine Glashütte im Torfmoor von Holmegaard gründete. Der Torf aus den umliegenden Mooren diente als Brennstoff für die Öfen – eine clevere und wirtschaftliche Lösung in einer Zeit, als Holz knapp und teuer war.
Die Gräfin handelte aus sozialem Engagement: Die Glasfabrik sollte Arbeitsplätze in einer wirtschaftlich schwachen Region schaffen. Was als lokales Sozialprojekt begann, entwickelte sich über fast zwei Jahrhunderte zu Dänemarks bekanntester und bedeutendster Glasmarke. Generationen von Designern schufen hier Ikonen des skandinavischen Designs, die heute in Museen auf der ganzen Welt zu sehen sind – vom MoMA in New York bis zum Victoria & Albert Museum in London.
Holmegaard in Zahlen
Das Erlebnis vor Ort
Das Besondere am Holmegaard Værk: Es ist kein verstaubtes Museum, sondern eine lebendige Werkstatt. Im Herzen des historischen Fabrikgebäudes brennen wieder die Öfen, und Meister-Glasbläser demonstrieren die jahrhundertealte Kunst, glühendes Glas in elegante Formen zu verwandeln.
Die Hitze der Öfen, das charakteristische Zischen beim Formen des Glases, die präzisen und doch fließenden Bewegungen der Handwerker – ein Besuch ist ein Erlebnis für alle Sinne. Von einer Aussichtsgalerie können Besucher den gesamten Prozess beobachten, während die Glasbläser ihre Arbeit erklären.
Was Sie erleben können
Glasblasvorführungen: Täglich demonstrieren erfahrene Glasbläser ihr Handwerk in der offenen Werkstatt. Beobachten Sie, wie aus einem glühenden Tropfen ein elegantes Glas entsteht.
Workshops: Unter professioneller Anleitung können Sie Ihr eigenes Glasobjekt gestalten – eine Christbaumkugel, eine kleine Vase oder ein individuelles Trinkglas. Voranmeldung erforderlich, Mindestalter 10 Jahre.
Ausstellung: 200 Jahre Holmegaard-Geschichte auf über 1.000 m². Designklassiker, Raritäten und die faszinierende Entwicklung vom Gebrauchsglas zum Designobjekt.
Shop: Aktuelle Kollektionen, exklusive Werkstücke direkt aus der Hütte und einzigartige Unikate, die nirgendwo anders erhältlich sind.
Glas ist gefrorenes Licht. Jedes Stück erzählt von dem Moment, in dem es geformt wurde – von der Hitze, der Bewegung, dem Atem des Glasbläsers.
— Per Lütken, Chefdesigner 1942–1998Berühmte Designer
Holmegaard verdankt seinen Weltruf einer Reihe außergewöhnlicher Designer, die hier ihre Visionen von Glaskunst verwirklichen konnten. Die Philosophie des Hauses – Design aus dem Material heraus zu entwickeln – zog über die Jahrzehnte kreative Köpfe aus ganz Skandinavien an.
Per Lütken (1916–1998)
Der „König des Glases" prägte Holmegaard wie kein anderer. In 56 Jahren entwarf er über 3.000 Designs, darunter Ikonen wie die Provence-Serie und die organisch geformten Vasen der Duckling-Reihe. Seine Philosophie: „Das Glas soll so aussehen, als könne es gar nicht anders sein." Lütken arbeitete stets eng mit den Glasbläsern zusammen und verstand die technischen Möglichkeiten und Grenzen des Materials wie kaum ein zweiter Designer.
Jacob E. Bang (1899–1965)
Als erster fest angestellter Designer führte Bang den Funktionalismus bei Holmegaard ein. Seine geometrischen, klaren Formen waren revolutionär und machten Holmegaard erstmals international bekannt. Besonders seine Primula-Serie mit dem charakteristischen Wabenmuster gilt als Meilenstein des skandinavischen Designs.
Michael Bang (*1944)
Der Sohn von Jacob E. Bang führte die Familientradition fort und brachte frischen Wind in die Glaswerkstatt. Seine farbenfrohen, verspielten Designs der 1970er Jahre – darunter die Palet-Serie – wurden zu Bestsellern und brachten skandinavisches Design in unzählige Haushalte.
Ikonische Designs
Viele Holmegaard-Designs sind zu zeitlosen Klassikern geworden, die seit Jahrzehnten produziert werden und in Design-Museen weltweit zu finden sind. Hier sind einige der bekanntesten:
Provence-Gläser
Per Lütken, 1956. Die schlanken, leicht bauchigen Stielgläser sind Dänemarks meistverkauftes Glasservice.
Duckling-Vasen
Per Lütken, 1960er. Organische Formen, die an Wasservögel erinnern – ein Klassiker der Nachkriegsmoderne.
Sakura-Lampen
Michael Bang, 1970. Die mundgeblasenen Glaslampen in leuchtenden Farben wurden zum Symbol der 1970er.
Primula-Serie
Jacob E. Bang, 1930er. Geometrisches Wabenmuster – der Durchbruch des skandinavischen Funktionalismus im Glas.
Insider-Tipp: Der Outlet-Bereich
Im Outlet-Bereich des Shops finden Sie B-Ware und Auslaufmodelle zu stark reduzierten Preisen – oft 50–70% unter dem Originalpreis. Die Gläser haben minimale Schönheitsfehler wie winzige Luftbläschen, die beim normalen Gebrauch nicht auffallen. Für Sammler: Hier tauchen manchmal auch eingestellte Serien auf!
Die Glasherstellung
Die Herstellung von mundgeblasenem Glas ist eine Kunst, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Im Holmegaard Værk können Sie diesen faszinierenden Prozess hautnah erleben.
Der Prozess Schritt für Schritt
- Das Schmelzen: Quarzsand, Soda und Kalk werden bei über 1.200°C zu einer zähflüssigen Glasmasse geschmolzen. Farbstoffe wie Kobalt (blau), Kupfer (grün) oder Gold (rubinrot) verleihen dem Glas seine Farbe.
- Das Aufnehmen: Der Glasbläser taucht seine Glasmacherpfeife in die glühende Masse und dreht sie, bis sich ein glühender Tropfen am Ende bildet.
- Das Blasen: Durch vorsichtiges Blasen in die Pfeife entsteht eine Blase im Glas – die Grundform des späteren Objekts.
- Das Formen: Mit Holzformen, nassen Zeitungen und speziellen Werkzeugen wird das Glas in seine endgültige Form gebracht – alles muss schnell gehen, bevor das Glas erkaltet.
- Das Abkühlen: Im Kühlofen wird das Glas über Stunden langsam abgekühlt, um Spannungen zu vermeiden, die zum Zerbrechen führen würden.
Ein erfahrener Glasbläser benötigt 5–7 Jahre Ausbildung, um die Techniken vollständig zu beherrschen. Die Arbeit erfordert höchste Präzision, denn Glas verzeiht keine Fehler – jede Bewegung muss sitzen.
Besucherinformationen
Holmegaard Værk
Mo geschlossen
Winterpause beachten
Jugendliche (13–17): 65 DKK
Kinder unter 13: frei
Online-Voranmeldung erforderlich
Praktische Hinweise
- Glasblasvorführungen: Täglich außer montags, meist zwischen 11 und 15 Uhr. Den genauen Zeitplan finden Sie auf der Website.
- Restaurant: Das hauseigene Restaurant serviert dänische Küche mit saisonalen Zutaten. Terrasse mit Blick auf den historischen Schornstein.
- Barrierefreiheit: Das Museum ist vollständig rollstuhlgerecht. Aufzug zu allen Etagen vorhanden.
- Sprachen: Alle Informationen auf Dänisch und Englisch. Audioguide in deutscher Sprache verfügbar.
- Beste Besuchszeit: Vormittags sind die Glasblasvorführungen besonders aktiv. Nachmittags ist es meist ruhiger für die Ausstellung.
Häufige Fragen
Anreise von Fehmarn
Das Holmegaard Værk liegt im Süden von Sjælland, etwa 80 km nördlich von Rødby. Es lässt sich gut mit einem Ausflug nach Køge oder Kopenhagen kombinieren.
Fähre Puttgarden-Rødby
45 Minuten Überfahrt, Abfahrten alle 30 Minuten.
Von Rødby nach Fensmark
Ca. 80 km über die E47/E55. Fahrzeit etwa 1 Stunde.
Gesamtzeit
Von Puttgarden: Ca. 2 Stunden.
Dänisches Design erleben
Kombinieren Sie den Besuch mit einem Stadtbummel durch Køge – nur 20 Minuten entfernt.
Fähre buchen