Die Sensation von 2014: Ein perfekter Kreis auf Drohnenaufnahmen führte zur Wiederentdeckung einer seit über 1.000 Jahren vergessenen Königsburg. Heute, elf Jahre später, eröffnet hier das weltweit erste Museum für nordische Mythologie – komplett mit vier Meter hohen Götterfiguren, verbrannter Yakisugi-Fassade und freiem Eintritt für alle unter 18 Jahren.

Luftaufnahme der kreisrunden Borgring-Wikingerburg mit den charakteristischen Cortenstahl-Markierungen, die die ehemalige Wallanlage nachzeichnen
Borgring von oben: Die charakteristische Kreisform ist erst aus der Luft vollständig erkennbar – genau so wurde die Burg 2014 wiederentdeckt.

Die Entdeckung einer vergessenen Königsburg

Professor Søren Michael Sindbæk von der Universität Aarhus und Museumsinspektorin Nanna Holm vom Museum Sydøstdanmark konnten ihren Augen kaum trauen: Die Drohnenaufnahmen vom Sommer 2014 zeigten unmissverständlich die charakteristische kreisrunde Form einer Harald-Blauzahn-Burg – direkt neben der Autobahn bei Køge, wo jahrzehntelang niemand etwas vermutet hatte.

Das Verrückte daran: Das Nationalmuseum hatte bereits 1971-72 exakt an derselben Stelle gegraben – ohne die Ringburg zu erkennen. Erst moderne geophysikalische Methoden und die neue Perspektive aus der Luft machten die Entdeckung möglich. Ein Beispiel dafür, wie selbst erfahrene Archäologen jahrhundertealte Geheimnisse übersehen können.

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Die „versteckte" fünfte Ringburg

Während Trelleborg (1936), Fyrkat (1950), Aggersborg (1945) und Nonnebakken (19. Jh.) längst bekannt waren, schlummerte Borgring über 1.000 Jahre unentdeckt – nur 20 Kilometer von der alten Königsstadt Roskilde entfernt. Die Entdeckung 2014 war eine archäologische Sensation ersten Ranges.

Die umfangreichsten Ausgrabungen einer Wikingerburg

Die Ausgrabungen von 2016 bis 2018 mit einem Budget von 24 Millionen DKK (hauptsächlich finanziert durch die A.P. Møller Fonden) gelten als die umfangreichsten Untersuchungen einer Wikingerburg überhaupt. Was die Archäologen fanden, überraschte selbst die Experten.

Die sensationelle Werkzeugkiste vom Osttor der Borgring-Wikingerburg mit mehreren Eisenwerkzeugen aus der Wikingerzeit
Werkzeugkiste: CT-Scan-Aufnahme der einzigartigen Fundstücke vom Osttor.
Das ornamentierte Silberspänne vom Nordtor der Borgring-Wikingerburg, nahezu identisch mit einem Schmuckstück aus dem Völvengrab von Fyrkat
Silberbeschlag: Verbindung zwischen zwei Ringburgen durch eine reisende Seherin?

Die spektakulärsten Funde

Die Werkzeugkiste vom Osttor (2016): Eine komplette Werkzeugkiste aus der Wikingerzeit mit mehreren Eisenwerkzeugen – einer der wenigen Funde dieser Art weltweit. Die Kiste wurde am Køge Sygehus mittels CT-Scanner untersucht.

Das Silberspänne vom Nordtor (2017-18): Ein ornamentierter Silberblechbeschlag erwies sich als nahezu identisch mit einem Schmuckstück aus dem berühmten Völvengrab von Fyrkat. Nur ein weiteres Exemplar existiert in ganz Dänemark. Diese Verbindung deutet darauf hin, dass eine Völve (Seherin/Zauberin) zwischen den Burgen reiste – ein faszinierender Hinweis auf die Mobilität der wikingerzeitlichen Elite.

Insider-Tipp: Das Geheimnis der fehlenden Langhäuser

Anders als bei allen anderen Ringburgen fanden Archäologen in Borgring keine Langhäuser im Inneren. Die spannendste Theorie: Die Burg wurde möglicherweise nie fertiggestellt – Harald Blauzahn wurde 985/986 von seinem eigenen Sohn Svend Tveskæg gestürzt. War Borgring sein letztes, unvollendetes Projekt?

Harald Blauzahn: Der König, der Dänemark einte

Harald Gormsson, genannt Blåtand (Blauzahn), regierte Dänemark von etwa 958 bis 986/987 und vollzog die wohl folgenreichste Transformation in der dänischen Geschichte: die Christianisierung eines heidnischen Wikingerreiches.

Der große Jelling-Stein mit der ältesten Christusdarstellung Skandinaviens - Dänemarks Taufschein aus der Zeit Harald Blauzahns
Der Jelling-Stein: Die Inschrift verkündet, dass Harald „sich ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte". Das Motiv erscheint heute in dänischen Reisepässen.
„Harald König ließ diese Denkmäler errichten nach Gorm seinem Vater und nach Thyra seiner Mutter – der Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte."

— Inschrift auf dem großen Jelling-Stein, ca. 965 n.Chr.

Die Ringburgen als Machtdemonstration

Nach dem vernichtenden Angriff Kaiser Ottos II. im Jahr 974, bei dem Harald den Grenzwall Dannevirke verlor und Haithabu zerstört wurde, ließ der König das größte Bauprogramm der Wikingerzeit umsetzen. Dendrochronologische Daten zeigen, dass die Hölzer für Trelleborg und Fyrkat im Juni/Juli 980 gefällt wurden.

Ringburg Region Durchmesser Langhäuser
Aggersborg Limfjord, Jütland 240 m 48
Trelleborg Slagelse, Seeland 136 m 31 (inkl. Vorburg)
Borgring Køge, Seeland 144-145 m Keine gefunden
Fyrkat Hobro, Jütland 120 m 16
Nonnebakken Odense, Fünen 120-150 m Unbekannt
Wussten Sie schon?

Die exakte Wallbreite von Borgring (10,6 Meter) entspricht auf den Zentimeter genau der von Fyrkat bei Hobro – ein Beweis für die standardisierte Bauweise unter zentraler königlicher Leitung. Alle Ringburgen folgen der „Trelleborg-Elle" von 49,3 cm – quasi die ISO-Norm der Wikingerzeit!

UNESCO-Welterbe: Die internationale Anerkennung

Am 17. September 2023 nahm das UNESCO-Welterbekomitee in Riad alle fünf dänischen Ringburgen gemeinsam als Seriennominierung auf – Dänemarks 11. Welterbestätte.

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UNESCO-Kriterien (iii) und (iv)

Die Ringburgen wurden aufgenommen als:

  • Einzigartiges Zeugnis des Übergangs vom Heidentum zum Christentum in Skandinavien
  • Herausragendes Beispiel monumentaler Militärarchitektur und standardisierter Ingenieurskunst
  • Physische Manifestation der Reichseinigung unter Harald Blauzahn
„Die fünf Kommunen werden in Zukunft massiv viele Besucher erleben – sowohl dänische als auch besonders internationale Touristen."

— Jakob Engel-Schmidt, dänischer Kulturminister

Das neue Museum: Wo Archäologie auf Mythologie trifft

Am 28. Juni 2025 eröffnet das 52,6 Millionen Kronen teure Erlebniszentrum – das weltweit erste Museum, das sich dem Übergang von der nordischen Götterverehrung zum Christentum widmet.

Das neue Borgring Welcome Center mit der charakteristischen Yakisugi-Fassade aus schwarz verbranntem Holz – dieselbe Konservierungstechnik wie die Wikinger nutzten
LOOP Architects Design: Das 1.800 m² große Gebäude referenziert wikingerzeitliche Königshallen. Die Yakisugi-Fassade duftet sogar wie vor 1.000 Jahren.

Die fünf Ausstellungsbereiche

Museumsarchitektur & Ausstellung

Kongehallen
Hauptausstellung über Harald Blauzahn mit überdimensionalen Götterfiguren
UNESCO-Salen
Kurzfilm über alle fünf Ringburgen und deren Welterbestatus
Udsigten
Dachterrasse mit Panoramablick – wie Harald über sein Reich blickte
Kongestien
1,5 km Outdoor-Rundweg mit Infotafeln zur Burganlage

Jim Lyngvilds vier Meter hohe Götterfiguren

Der Designer Jim Lyngvild – selbst praktizierender Asatro-Anhänger mit Odin-Runen auf der Kopfhaut tätowiert – schuf die überdimensionalen Götterdarstellungen. Lyngvild lebt in einer selbst erbauten Wikingerfestung (Ravnsborg auf Südfünen) und errichtete 2016 das weltweit einzige Gudehov (Göttertempel).

Dramatische Darstellung einer Wikinger-Seherin (Völva) – mystische Figuren wie diese werden im neuen Borgring-Museum zum Leben erweckt
Lyngvilds Vision: Das Museum verspricht eine Präsentation, die „vild, blodig, farlig, liderlig og lystig" (wild, blutig, gefährlich, lüstern und lustig) ist.

Die Welt der nordischen Götter

Das neue Museum widmet sich als weltweit erstes dem Übergang von der nordischen Götterverehrung zum Christentum – einem epochalen Wandel, der mindestens einem halben Jahrtausend alter Tradition ein Ende setzte.

Die Hauptgötter der Wikinger

👁️ Odin (Alfader)

Einäugiger Göttervater, Kriegs- und Todesgott. Empfing gefallene Krieger in Walhalla. Odense trägt seinen Namen.

⚡ Thor

Populärster Gott, Beschützer der Menschen mit seinem Hammer Mjölnir. Der Donnerstag (Torsdag) erinnert an ihn.

🦊 Loki

Ambivalenter Trickster, Blutsbruder Odins, aber auch Auslöser von Ragnarök. Auf dem Snaptun-Stein mit zugenähtem Mund.

✨ Freja & Frej

Fruchtbarkeitsgötter der Vanen. Freja erhielt die Hälfte der gefallenen Krieger und beherrschte die Sejd-Magie.

Insider-Tipp: Pragmatische Wikinger

Eine Gussform aus Trend in Himmerland belegt die Übergangszeit: Sie konnte sowohl Kreuze als auch Thorshämmer herstellen! Viele Wikinger ließen sich mit dem Kreuz zeichnen (primsigning), ohne getauft zu werden – ein pragmatischer Kompromiss für bessere Handelsrechte mit christlichen Partnern.

Praktische Informationen für Familien

Familienfreundlich!
Kinder unter 18: GRATIS
Erwachsene: 159 DKK vor Ort | 139 DKK online (ca. 18,50 €)
Das Museum rechnet mit 60.000 Besuchern jährlich

Eintrittspreise 2025

Erwachsene (vor Ort) 159 DKK (ca. 21 €)
Erwachsene (Online) 139 DKK (ca. 18,50 €)
Kinder unter 18 GRATIS
Ældre Sagen-Mitglieder 125 DKK (ca. 16,70 €)

Öffnungszeiten

🌞 Sommer (28.06.–31.08.)

Täglich 10:00–17:00 Uhr

🍂 Herbst/Winter (01.09.–31.12.)

Di–So 10:00–16:00 Uhr
Montags geschlossen

Anfahrt von Rødby

Entfernung ca. 80 km
Fahrzeit (Auto) ca. 55–60 Minuten über E47/E55
Adresse Ringstedvej 190, Lellinge, 4600 Køge
Parken Kostenlos am Museum
E-Ladestationen Vorhanden
ÖPNV Bus 260R ab Køge Bahnhof Richtung Ringsted, Haltestelle „Lellinge Kirke"
Übersichtskarte mit der Route von Rødby nach Borgring – 80 km durch die malerische Landschaft von Sjælland
Anfahrt: Von der Fähre in Rødby über die E47/E55 Richtung Køge.

Barrierefreiheit

  • Drei Etagen mit Aufzug – alle Bereiche rollstuhlgerecht
  • Keine hohen Türschwellen
  • Behindertenparkplätze direkt vor dem Museum
  • Hinweis: Der 1,5-km-Rückweg vom Borgring führt bergauf

Café & Shop

Das Café Borgring bietet Speisen für „kleine und große Wikinger" – eigenes Essen ist nicht gestattet. Der Museumsshop führt Wikingerspiele, Comics, Spielzeug und Bücher für Kinder.

Insider-Tipps für den perfekten Besuch
  • Tickets online buchen: 20 DKK günstiger und keine Warteschlange
  • App „Vikingeborgen" herunterladen: VR-Filme, 360°-Erlebnisse, Archäologen-Podcasts
  • Festes Schuhwerk: Der 1,5-km-Königsweg zur Burganlage führt über Wiesen
  • Beste Zeit: Wochentags am Vormittag für weniger Andrang
  • Kombination: Morgens Borgring, nachmittags die historische Altstadt von Køge

Perfekte Tagesausflug-Kombinationen

Borgring lässt sich ideal mit anderen Zielen in der Region verbinden. Hier unsere Empfehlungen für einen perfekten Wikinger-Tag:

Køge Altstadt

Ältestes datiertes Fachwerkhaus Dänemarks (1527) und Schauplatz der berüchtigten Hexenprozesse (1608–1615).

7 km vom Museum
Roskilde

UNESCO-Welterbe Dom mit 40 Königsgräbern und das legendäre Wikingerschiffsmuseum mit fünf Originalschiffen.

20 km vom Museum
Stevns Klint

UNESCO-Welterbe mit der dramatischen Kreideküste und Spuren des Asteroiden-Einschlags, der die Dinosaurier auslöschte.

30 km vom Museum
Fejø Cider

Nordeuropas Cider-Pionier auf Dänemarks Apfelinsel – 140.000 Apfelbäume und preisgekrönte Craft-Cider.

60 km Richtung Rødby
Stimmungsvoller Sonnenuntergang über der Borgring-Wikingerburg mit den Cortenstahl-Markierungen im goldenen Licht
Magische Momente: Die beste Zeit für Fotos ist kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Cortenstahl-Skulpturen im goldenen Licht leuchten.

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Häufig gestellte Fragen

Borgring bietet ein intimeres Erlebnis mit einem brandneuen Museum (Eröffnung Juni 2025), das sich als weltweit erstes auf nordische Mythologie spezialisiert. Die spektakulären 4-Meter-Götterfiguren und die Yakisugi-Architektur sind einzigartig. Zudem ist Borgring noch nicht so überlaufen wie Trelleborg.

Absolut! Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Das Museum bietet interaktive Elemente, eine spezielle App mit VR-Erlebnissen, einen kinderfreundlichen Shop mit Wikingerspielen und Comics, sowie ein Café mit Speisen für „kleine Wikinger". Der 1,5-km-Rundweg ist auch für Familien machbar.

Planen Sie 2-3 Stunden für einen gründlichen Besuch ein: ca. 1-1,5 Stunden für das Museum mit allen Ausstellungsbereichen, 45-60 Minuten für den 1,5-km-Rundweg zur archäologischen Stätte, plus Zeit für Café und Shop.

Ja, das ist eine perfekte Kombination! Borgring und Roskilde liegen nur 20 km voneinander entfernt. Empfehlung: Vormittags Borgring (weniger Besucher), nachmittags Roskilde mit Wikingerschiffsmuseum und Dom. Beide sind UNESCO-Welterbestätten!

Ja, das Museum ist vollständig barrierefrei mit Aufzug zu allen drei Etagen, keine hohen Türschwellen und Behindertenparkplätze direkt am Eingang. Achtung: Der 1,5-km-Außenrundweg führt über Wiesen und bergauf, was für Rollstuhlfahrer eine Herausforderung sein kann.

Die spannendste Theorie der Archäologen: Um 985/986 erhob sich Haralds eigener Sohn Svend Tveskæg (Gabelschwert) gegen den Vater. Harald floh zur Jomsburg und starb an seinen Wunden. Borgring könnte sein letztes, durch den Sturz unvollendetes Projekt gewesen sein.